Es geht doch nichts über eine klare Rollenverteilung. Oder: simplify your life as a Journalist.

Heute hat die Schreibende von den Riklin Brüdern einen sehr umfangreichen Pressespiegel zugemailt bekommen. Das ist nichts Aussergewöhnliches, das geschieht die letzten Wochen immer mal wieder und war der Schreibenden nie wirklich einen Blogeintrag wert. Zu langweilig und triefend die Selbstbemitleidung der Künstler, zu schwarz-weiss die Rollenverteilung von gut und böse.

Der Artikel der NZZ, der heute Morgen um 5:30 (!?!?) online gestellt wurde, hat sie dann aber doch zum Schreiben veranlasst. Diese Christina Neuhaus, die sich da frühmorgens schon mit dem Trinkbrunnen befasst hat, muss den beiden Jungs ganz schön auf den Leim gegangen sein, wie’s scheint. Wenn man ihr feuriges Plädoyer über die beiden Künstler liest, fragt man sich fast schon, in welchen der beiden sie sich wohl verliebt hat (was allerdings vollkommen vernachlässigbar ist, da sie die beiden eh nicht wird auseinander halten können).

Der Artikel ist so einseitig geschrieben und ausgeleuchtet, dass man den Eindruck gewinnen könnte, sie sei mit dem Blöckli auf den Knien zwischen den “beiden grundsätzlich freundlichen Riklins” Frank und Patrik gehöcklet und hätte sich einen Pressetext diktieren lassen. Die Schreibende kann das mitfühlende Gesicht der Guten förmlich vor sich sehen, als die beiden “Sprösslinge einer äusserst musischen Professoren-Familie aus St. Gallen” ihr von der überaus traurigen Entwicklung der “liebenswürdigen Brunnenidee” erzählten. Es muss eine Mischung aus Adhäsion und Muttergefühlen gewesen sein, welche die Journalistin blind werden liess für den ellenlangen Mailwechsel zwischen der auftraggebenden Baugenossenschaft und den Künstlern, welcher dem “äusserst kühlen Schreiben, in dem ihnen auch gleich die Auflösung des Vertrags angeboten wurde” vorausgegangen war. Aber vielleicht hatte sie in der Aufregung auch nur einfach vergessen, danach zu fragen. Kann passieren.

Möglicherweise wusste sie auch einfach, wie man mit täubelnden Kindern umgeht, und hat die beiden liebevoll getröstet, weil sie im Innersten gespürt hat, dass die “beiden grundsätzlich freundlichen Riklins” furchtbar wütend sind, dass sie einfach vor vollendete Tatsache gestellt wurden“. Das ist natürlich auch hart, das versteht die Schreibende selbstredend. Sie hat es schliesslich auch nicht gern, wenn man ihr den Autoschlüssel aus der Hand nimmt, nur weil sie 2, 3 Flaschen Prosecco über den Durst getrunken hat. Ist aber auch wirklich gemein, so etwas.

Aber wie dem auch sei, so sieht es die Schreibende nun doch als ihre Pflicht an, Sie etwas aufzuklären, liebe Frau Neuhaus. Schliesslich haben Sie sich auch die Zeit genommen, den Blog der Schreibenden zu lesen, da will sich die Schreibende nun auch die Zeit nehmen, Ihnen etwas über die Hintergründe zu erzählen.

Sie interpretieren und analysieren zwischen den Zeilen, dass die Künstler mit ihrer “bestechend einfachen Idee eines Quartierbrunnens” bei der Kommission nicht durchdringen konnten, “worauf sie in wortreiche Erläuterungen verfielen.” Das genaue Gegenteil war aber der Fall: Die Kunstkommission verstand die “bestechend einfache Idee eines Quartierbrunnens” TROTZ der “wortreichen Erläuterungen“. (Was aber auch damit zu tun haben kann, dass ein Mitglied der Kunstkommission massgeblich an der Entwicklung der “liebenswürdigen Brunnenidee” beteiligt war. Die exakt gleiche “liebenswürdige Brunnenidee” wurde zu einem früheren Zeitpunkt bereits woanders eingereicht, aber nicht angenommen. Aber das wussten Sie sicher bereits; das haben der Frank und der Patrik Ihnen sicher anvertraut.)

Das Problem war also nicht das Verständnis der Idee, sondern vielmehr die Unfähigkeit zur transparenten Kommunikation der beiden Künstler. Wo die Kommission mehr Details haben wollte darüber, wie die Summe von CHF 400’000 in “künstlerischer Simplizität in Gestalt eines «hundsgewöhnlichen Selecta-Automaten» investiert, und was diese Intervention im grösseren Rahmen für das Quartier bedeuten würde, flüchteten die “Künstler-Zwillinge” schwadronierend in nichtssagende Worthülsen, anstatt Stellung zu beziehen. Da half auch die Bloggerin, die “um die Transparenz des Vorgehens zu gewähren und die den Evaluationsprozess von Anfang an verfolgte” engagiert wurde, nicht. Wo kein Inhalt war, war es auch der Schreibenden nicht möglich, einen zu erfinden. Endlos viele endlose Sitzungen lang wurde nur über eins geredet: ein hübsch verpacktes Nichts in Form einer hippen SUZ (Social Ürban Zone). Die beiden Künstler waren nicht imstande, eine Vision zu formulieren oder Klarheit über das Konzept hinter dem Brunnen zu vermitteln. Es wurde viel geredet und nichts gesagt.

“Ihre Idee einer «social urban zone» schien perfekt zu den Vorstellungen der Genossenschaft zu passen, die sich an den Idealen gemeinschaftlichen Wohnens orientiert“, klingt nach einem wunderbaren Werbeslogan, umgesetzt wurde dieser aber nicht. Die Genossenschaftsvertreter hatten mehrfach darauf hingewiesen, dass die Nachhaltigkeit ein sehr wichtiger Wert sei. Ob da Würste, Bier und Mineralwasser, das eigens für den Eröffnungsapero der “künstlerischen Simplizität in Gestalt eines «hundsgewöhnlichen Selecta-Automaten»im Ausland gekauft und herangekarrt wurde, dem Grundgedanken der umweltverträglichen Nachhaltigkeit entspricht, sei dahingestellt. “Die orangen Pappbecher, die extra für die Installation angefertigt worden waren” und die seither in Massen herumliegen und das ganze Quartier orange verfärben, sind es mit Sicherheit nicht. “Die Künstler hatten dem Apparat die Rolle eines Dorfbrunnens zugedacht. Hier sollten sich Alt und Jung treffen und kennenlernen. Das neue Quartier sollte so schon während seiner Entstehungsphase einen Ankerpunkt erhalten. Später sollte der Brunnen zu einer Reihe von künstlerischen Aktionen führen, welche die Bewohner miteinander verbindet.” Die Idee war ursprünglich, dass Alt und Jung mit der eigenen Tasse in der Hand kommen und gemeinsam einen Kaffee trinken würden. Daraus wurde ein Automat mit mannigfaltigem Angebot und “orangen Pappbechern, die extra für die Installation angefertigt worden waren”. Die Künstler hatten damit aus der “künstlerischen Simplizität in Gestalt eines «hundsgewöhnlichen Selecta-Automaten»” einen hundsgewöhnlichen Selecta-Automaten gemacht, ohne sich dessen bewusst zu sein. Die Kommission war sich dagegen bewusst und griff das Thema auf, die Künstler aber hatten keinerlei Argumente dafür.

Der Schreibenden kam es in den Sitzungen oft so vor, als hätte sie es mit zwei Kindern zu tun, die man viel zu lange machen lässt. “Das Geschäftsleitungsmitglied Peter Schmid, ein freundlicher Mann, der schon manchen Konflikt schlichten konnte” blieb auch dann noch geduldig und verhandlungsbereit, als der Schreibenden längst der Geduldsfaden gerissen wäre. Ebenso die Mitglieder der Kommission, die sich sehr lange um einen ergebnisorientierten Dialog bemühten, aber am selbstverliebten Monolog der Künstler scheiterten.

Mag sein, dass die beiden Künstler mit den parallel laufenden Projekten «Fliegen retten in Deppendorf», dem Klettern mit dem Präsidenten von Kleinstgemeinden zu einem «Gipfeltreffen» und mehr als 1000 Ostschweizer dazu zu bringen, für sie eine riesige Picknick-Decke zu nähen, mehr als gefordert waren und darob keine Zeit mehr hatten, dieses gut dotierte und von der Kunstkommission enthusiastisch begleitete Projekt der Genossenschaft «mehr als wohnen» mit dem gleichen Elan seriös anzugehen. Dann wäre es nach Meinung der Schreibenden nichts als fair gewesen, das angebotene Projekt mangels Kapazität dankend abzulehnen. Dass man ein 400’000 Franken-Mandat nicht gerne ablehnt, versteht sogar die Schreibende. Dass man es ohne jegliche Begeisterungsfähigkeit an die Pavillonwand fahren lässt, versteht sie aber leider nicht.

Selbstverständlich haben Sie, liebe Frau Neuhaus, von diesem fehlenden Enthusiasmus nichts mitbekommen. Daran sind Sie nicht schuld. Eine der am stärksten ausgeprägten Kernkompetenzen der Riklin-Brüder ist denn auch der Kontakt zu den Medien, wie der regelmässig eintreffende Pressespiegel der beiden beweist. Sobald eine Kamera oder zumindest ein Mikrofon in der Nähe ist, gelingt es den beiden, eloquent und gewinnend über ihre Ideen zu erzählen. Bei uns im Sitzungsraum war dagegen nie wirkliche Begeisterung zu spüren, von Faszination und Herzblut schon gar nichts. (Siehe Blogeinträge vom 4.1.12 / 8.2.12 / 28.3.13)

Es ist darum auch nicht ihre Schuld, dass Sie den beiden auf den Leim gekrochen sind. Das scheint allen zu passieren, die in den Kontakt mit den Riklin Brüdern kommen. So ist es mir ergangen und auch all Ihren Kollegen und Kolleginnen, die den beiden in den letzten Wochen vorgefertigte Sätze von den Lippen abgelesen und niedergeschrieben haben. Die beiden attraktiven Männer scheinen mit ihrem Zwillings-Sexappeal Männer wie Frauen für sich gewinnen zu können, und auch die Schreibende muss zugeben, dass die beiden gutes Bildmaterial abgeben. Ein gutaussehendes Brüderpaar, das Bürostühle auf dem Kopf balanciert, gehört nun mal auf jedes Titelblatt.

Dass es für ein so professionell begleitetes Projekt aber mehr braucht, als fotogene Gesichter und hübsch verpackte Phrasen, dürfte aber auch Ihnen bewusst sein. Ebenso, dass es nicht ganz so einfach sein kann, die Rollen von gut und böse zu verteilen.

Mit bestem Gruss von Bloggerin zu Journalistin.

P.S. Aber he, das mit den Velos ist wirklich uhuere gemein. Das wäre was für ein Exklusiv-Inti, Frau Neuhaus. Also jetzt nicht mit den handsome brothers, sondern mit den Velos natürlich. Könnte man sicher medienwirksam aufbereiten, die Riklins wüssten bestimmt wie.

(Dieser Text wurde von der Schreibenden auf Eigeninitiative hin und ohne Absprache mit der Baugenossenschaft oder den Künstlern verfasst. Hier niedergeschriebene Gedankengänge entspringen dem kritischen Hirn der Schreibenden und sind deren Interpretationen der beigewohnten Sitzungen.)

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