Sitzung der Kunstkommission ‚mehr als Kunst‘ vom 21. September 2011

 

 

Die Sitzung fand statt in der Geschäftsstelle der Baugenossenschaft ‚mehr als wohnen‘ von 9 Uhr bis 11.17 Uhr.

Anwesend waren:

Andreas Hofer, Charlotte Tschumi, Mirjam Varadinis, Monika Sprecher, Philipp Meier, Sabine Frei sowie das Kuratorenteam Irene Grillo und Stefan Wagner mit dem Künstler Philip Matesic und die Schreibende.

Monika Sprecher hatte vorab die Traktanden für die Sitzung sowie ein von Mirjam Varadinis formuliertes Skriptum zur Phase 2 verschickt.

1.    Protokoll Sitzung vom 5.07.11 (vorhanden?)
2.    Besprechung Konzept Phase 2, Grundlage ist das Papier von Mirjam anbei
3.    Termin Workshop mit Architekten
4.    Kommunikation während Phase 2 und 3 (Blog usw.)
5.    Bericht über Aktuelles von Phase 1 (Irene und Stefan) sowie neue Projektidee

 

Die Sitzung begann mit einem Rückblick von Irene Grillo auf die Kunstaktionen, welche vom Kuratorenteam Grillo/Wagner bereits umgesetzt wurden. Der Anlass von Quinh Dong, welche das verregnete Hunziker Areal besang, war trotz des unfreundlichen Wetters gut besucht und ein Erfolg für die Kuratoren.

Irene Grillo erwähnte, dass es demnächst einen Informationskanal auf der Website von ‚mehr als Wohnen‘, auf welchem die beiden Kuratoren über ihre Aktionen berichten, geben würde. Dies führte zu neuerlichen Diskussionen darüber, welche Rolle der Blog ‚mehr als Kunst‘ haben soll und ob es sinnvoll ist, eine weitere Plattform zu pflegen. Bis anhin wurde der Blog der Schreibenden vom Kuratorenteam Grillo/Wagner mehr oder weniger ignoriert und in keinem der Newsletter-Emails der beiden erwähnt. Auf Anfrage der Schreibenden haben die Kuratoren Material und Bilder für den Blog zur Verfügung gestellt, darüberhinaus aber nicht weiter daran partizipiert. Das Kuratorenteam wünscht einen Kanal, der rein informativ über deren Aktionen berichtet, während der Blog der Schreibenden bis anhin eher auf der Meta-Ebene über die Entscheidungen und Prozesse während der Sitzungen berichtete. Die Sitzungsteilnehmer haben darüber sinniert, ob es möglich wäre auf dem Blog einen rein informativen sowie einen bis anhin kommentierten Teil zu führen. Während die Kuratoren dies eher bezweifelten, waren die Mitglieder der Kunstkommission zuversichtlich; die Schreibende gar überzeugt. Demzufolge wird der Blog demnächst in seiner Struktur den neuen Anforderungen angepasst und dafür kein zusätzlicher geführt werden. Der Auftrag an die Schreibende wird aufgestockt und der Blog künftig noch mehr Hintergrundinformationen zu den Kunstaktionen der Kuratoren enthalten.

Ausserdem sprach das Kuratorenteam Grillo/Wagner den Wunsch aus, mit dem Künstler Raphael Hefti ein bleibendes Objekt schaffen zu dürfen. Raphael Hefti ist ein 1978 in Biel geborener Künstler, dessen Arbeiten alchemistische Prozesse und das Spiel mit Materialien und Elementen beeinhalten. Die Kuratoren könnten sich eine Umwandlung eines bestehenden Materials von der heutigen Baubrache in ein Element, welches in den fertigen Bau einfliessen könnte, wie zum Beispiel im Form von Türfallen vorstellen. Falls eine Partizipation am Budget von Phase 3 unmöglich ist, wäre eine Studie, welche eine Dokumentation hervorbringen würde, möglich.

Das Projekt ‚mehr als Kunst‘ umfasst 3 Phasen. Die 1., welche von Grillo/Wagner kuratiert wird, umfasst die Bespielung der Brache, während die 2. die Phase während der Bauzeit und die 3. und letzte Phase nach Fertigstellung und Übergabe der Wohnobjekte stattfindet und eine klassische Umsetzung des Themas „Kunst am Bau“ ermöglicht. Ein bleibendes Objekt in der 1. Phase würde demzufolge die darauffolgenden Phasen nicht nur budgetmässig tangieren. Dieses Thema wird im Architekturworkshop im Novemeber diskutiert und beantwortet werden.

Ausserdem haben Grillo/Wagner die Zusammenarbeit mit dem 1977 in St. Gallen geborenen Künstler Felix Eggmann angekündigt. Dieser hat bereits mehrere Spiele entwickelt, unter anderem das Atomreaktor-Quartett ‚Super Trump Nuclear Plants‚, welches in jüngster Zeit leider grosse Aktualität erlangt hat. Er wird eine Recherchearbeit über die Mechanismen der Vergabe von Genossenschaftswohnungen durchführen und mit den dadurch bekanntgewordenen Gesetzmässigkeiten ein Spiel entwickeln. Geplant ist eine öffentliche Veranstaltung, an welcher über die Vergabe von Genossenschaftswohnungen diskutiert werden kann. Ziel ist es, dass 1 Wohnung des neuen Quartiers ‚mehr als Wohnen‘ mithilfe dieses Spiels vergeben wird. „Kunst am Bau“ würde somit zu „Kunst an den Genossenschafts-Statuten2 werden und die Mechanismen der Wohnungsübergabe thematisiert. (DAS gefällt der Schreibenden ausgesprochen gut!!!)

Am 6. Dezember 2011 werden die Kuratoren Grillo/Wagner zusammen mit Philip Matesic anlässlich eines Theory Tuesdays im Corner College über ihr Projekt „PLAY-MOBILE“ öffentlich debattieren.

 

 

Danach kam Philip Matesic zu Wort, welcher über sein Projekt „VERGISS DEINEN SCHIRM NICHT!“ berichtete. Er hatte Anfang August mit den Bewohnern des an die Baubrache angrenzenden Andreaspark 1 einen Workshop durchgeführt.  Die Nachbarn wurden aufgefordert, Ratschläge an die neuen Nachbarn mit Kreide auf den Aspahlt des Innenhofs zu schreiben. Danach hat Dan Krüsi von den Balkonen einiger Workshop-Teilnehmer Fotos des bunt beschrifteten Innenhofs gemacht.

Philip hätte gern tiefgreifendere Gespräche mit den Bewohnern des Andreaspark 1 geführt, aber dies war ihm leider nicht gelungen. Auch das Fotografieren von Balkonen forderte ihm einiges an Überzeugungskraft ab. Er wird weiterhin Research betreiben und prüfen, wie man eine nachhaltigere Beziehung pflegen könnte.

 

 

 

 

 

 

 

 

Als letztes wurde darüber diskutiert, wie man einen Kurator für die 2. Phase finden sollte. In der 1. Phase brachten die Kunstexperten der Kunstkommission ‚mehr als Kunst‘ Vorschläge ein und es wurden pro Experte ein Kurator/Künstler eingeladen. Diese 5 konnten sich anlässlich einer öffentlichen Präsentation im Cabaret Voltaire vorstellen und präsentieren und die Kunstkommission hat anschliessend in einer hitzigen Debatte dem Team Grillo/Wagner den Auftrag zur Bespielung der Baubrache mit Budget von CHF 100’000 übergeben.

Für die Vergabe der 2. Phase mit einem Budget von CHF 400’000 hat Mirjam Varadinis ein Grundlagenpapier ausgearbeitet, welches als Basis für die anschliessende Diskussion diente.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Schreibende hat die Meinungen der Kommissionsmitglieder zusammengefasst und wird diese in gekürzten Statements wiedergeben.

 

Philipp Meier:

Findet es sehr „spannend“, dass Laien die Auswahl machen sollen, obwohl er schon wisse, dass Architekten auch gerne ein bisschen Künstler seien. Er ist dafür, dass die Kunstkommission wie in der 1. Phase Vorschläge einbringen oder zumindest für die Architekturteams als Paten fungieren sollte. Er befürchtet, dass es in einem Frust enden wird, wenn man die Architekturteams beauftragt, nach Künstlern zu suchen, welche den Ansprüchen der Kommission dann eventuell nicht genügen. Er betont die Qualitätssicherung, welche bereits in einem frühen Stadium stattfinden müsse.

 

Andreas Hofer:

Sieht in Philipp Meier einen grossen Zensurierer und würde die Gefahr einer möglichen Frustration zu Gunsten der freien Arbeit der Architekturteams in Kauf nehmen. Er will einen Workshop, an welchem die Architekten Vorschläge machen können und dass die Mitglieder der Kunstkommission mit Rat und Tat zur Seite stehen.

 

Sabine Frei:

Findet es schön, dass den Architekturteams soviel Freiheit und auch Vertrauen geschenkt wird, findet den Auftrag allerdings zuwenig klar formuliert und sehr ambitioniert. Darum würde sie eine Unterstützung der Kunstkommission, zb. in Form einer Patenschaft sehr begrüssen.

 

Mirjam Varadinis:

Kann die Zweifel von Sabine Frei und Philipp Meier nicht nachvollziehen. Sie findet, man solle den Architekturteams freie Hand geben und sich überraschen lassen, was an Vorschlägen eingebracht wird. Für sie wäre es schade, wenn man von Anfang an „Sicherheiten“ einbaut, anstatt abzuwarten, was von den Architekturteams kommt.

 

Charlotte Tschumi:

Spricht sich für eine Hilfestellung der Kunstkommission aus, ist aber dafür, dass die Architekturteams eigene Ideen und Vorschläge einbringen sollen. Sie ist sich ob dem Aufwand der Recherche im Klaren und verlangt darum nach einem klaren Auftrag, an welchem sich die Architekten orientieren können. Sie fordert: MUT ZU NEUEN WEGEN!

 

Die Schreibende kümmert sich derweil um den Kaffee und freut sich auf den Workshop!

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