LANDBEGEHUNG MIT EINEM TRÜFFELHUND

RAPHAEL HEFTI – LANDBEGEHUNG MIT EINEM TRÜFFELHUND – TEIL 1.

Freitag, 2. Dezember 2011, 12:30
Hunziker-Areal, Hagenholzstrasse 106, 8050 Zürich

Der zwischen Zürich und London pendelnde Raphael Hefti (*1978) hat als Beitrag für PLAY-MOBILE eine offene Reihe von Experimenten bestimmt. Ganz dem Gedanken der Recherche verpflichtet setzt Hefti nun für seine erste Erforschung auf dem Hunziker-Arel einen Trüffelhund ein, um mit dessen Nase in den Boden hinein zu blicken, ohne aber dessen Oberfläche bei der Suche verletzen zu müssen. Bis heute ist es nicht gelungen, ein technisches Gerät zu konstruieren, das in der Lage ist, Trüffel aufgrund ihres Geruchs zu finden. Eine Hundenase hingegen findet nach einem Training zielsicher die wertvollen Knollen.

Weshalb aber ist Hefti überhaupt auf die Idee gekommen, mit einem Trüffelhund eine Landbegehung vorzunehmen? Das Hunziker-Areal ist ein ehemaliges Riedgebiet, das wie viele andere Landschaften in der Schweiz mit der sich verstärkenden Industrialisierung im 20. Jahrhundert trocken gelegt wurde. Die umliegenden Gebäude wurden anschliessend auf einer aufgeschütteten Ebene errichtet. So auch die still gelegte Betonelementefabrik Hunziker, welche ab den 1950er Jahren bis zur Stilllegung in den 70er Jahren Bauelemente für die Stadt Zürich sowie die Umgebung produzierte. Ein kleiner Flecken Land ist der Aufschüttung entgangen – warum dies so kam ist unklar. Auf diesem kleinen Landstück hat sich der alte Baumbestand erhalten und man kann davon ausgehen, dass zumindest im Boden riedähnliche Strukturen vorhanden sind, die ein Trüffel-Wachstum zulassen. Fände man einen solchen Trüffel bliebe die Frage offen, ob dieser überhaupt essbar wäre, da damit zu rechnen ist, dass der Boden in der Zeit der starken Industrialisierung durch Abwässer mit Giftstoffen belastet worden ist. Ein Fund wäre eine Sensation, die Verwertbarkeit für ein Essen wäre aufgrund der Vorgeschichte des Bodens aber fragwürdig.

Die Konzeption der Landbegehung mit einem Trüffelhund schliesst an Heftis künstlerischem Interesse an, Randphänomene in der Wissenschaft zu untersuchen. Hefti wurde einem grösseren Publikum durch seine Landschaftsfotografie bekannt, die er bei Nacht und Magnesiumbelichtung anfertigte. Vor einem Jahr beschäftigte er sich mit der Phlogiston-Theorie, einer Wissenschaftstheorie des 17. und 18. Jahrhunderts, die durch die Oxidationstheorie widerlegt wurde. Diese führte ihn schliesslich zu einer Sporenart, dem Lycopodium, mit denen er Bilder erstellte. Heftis Arbeiten zeichnen sich durch einen Antagonismus aus, der heutige Wissenschaftsbegriffe mit historischen abgleicht. Es entstehen Kunstwerke, welche Bruchlinien zwischen rationalen und irrationalen Systemen entwerfen und in ihrer Erscheinung durch ihre ästhetische Einfachheit und historische Informationsdichte bestechen.

Webseite des Künstlers: www.raphaelhefti.ch

 

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