Workshop vom 20. Januar 2012 oder Genossenschaftskunst vs. Kunstkommissionskunst

Anlässlich der Sitzung vom 30. November 2011 wurde von Mirjam Varadinis ein Auftragsschreiben verfasst, welches an die involvierten Architekturteams abgegeben wurden. Darin werden Sie gebeten, eine Präsentation vorzubereiten, in welcher sie ihre Ideen und bevorzugten Künstler vorstellen.

 

 

Einladung zum Workshop vom 20. Januar 2012

 

Nach den Präsentationen der Vertreter der Architektur-Büros fand eine Diskussion statt über die Ideen und Ansätze, welche präsentiert wurden.

Danach durften die Architekten wieder ihres Weges gehen und zurück blieb die Kunst-Jury, sowie die Schreibende. Einige Mitglieder der Kunst-Jury waren desillusioniert darob, dass drei der fünf Architekturbüros überwiegend Kunst vorschlugen, welche hauptsächlich verschönernd wirken soll. Es wurden Farben und Wand-Malereien gezeigt. Putzstrukturen und Tapeten sowie Keramik, in Form von Mosaiken und Platten aber auch Schlosserarbeiten und Interventionen, welche den Lichteinfall miteinbeziehen. Die Jury rollte die kunstverständigen Augen, während der Chef der Baugenossenschaft sich die Hände rieb. Doch da hatte er die Rechnung ohne das Gremium gemacht, welches nicht möchte, dass das zusammengestrichene Architektur-Budget mit Hilfe des Kunst-Budgets aufgepeppt wird. Es soll zwar durchaus ein Manifest und keine Performance-Kunst entstehen, aber bitte nicht zu angewandt und schon gar nicht dekorativ, so die Jury.

Man hatte sich radikalere, bauliche Eingriffe gewünscht, für diese bräuchte es allerdings eine nachträgliche Baubewilligung weil die Baueingabe bereits erfolgt war. Man hatte sich eine Thematisierung der wunden Punkte der Architektur gewünscht, aber würden die betreffenden Architekten solche preisgeben um diese künstlerisch auszumerzen? Und so fragte man sich einmal mehr, ob der Zeitpunkt für die Intervention richtig gewählt und der Auftrag klar genug formuliert worden war.

Ein Architekturteam präsentierte die Gebrüder Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin und ihr ‚Atelier für Sonderaufgaben‘ und der Landschaftsarchitekt begeisterte mit Bildern üppig bewachsener Urban Farming Projekte, welche das urbane Quartier bereichern würden. Aber die Baugenossenschaft hat Projekte dieser Art bereits geplant und budgetiert und will diese darum nicht im Rahmen von „mehr als Kunst“ umsetzen.

Die Jury war davon ausgegangen, dass die Architekten selbständig wissen würden, welche Art von Kunst sie sich vorgestellt hatten, und der Kurator der Phase I, Stefan Wagner belächelte das Präsentierte als oberflächliche Deko. Die Schreibende distanziert sich von jeglicher Definition von Kunst und gibt zu bedenken, dass es einem Architekten, dem in dieser Phase des Baus an allen Ecken und Enden das Budget gekürzt wird, wohl zynisch anmuten muss, über ein Kunstbudget von CHF 400’000 zu verhandeln, welches seinem Bau nicht in erster Linie einen optischen Mehrwert erbringen darf.

Die Schreibende wird hier für alle mitlesenden Architekten, die den Unterschied zwischen Deko und Kunstkommissionskunst noch nicht kennen, kurz zusammenfassen:

Deko = keine/schlechte Kunst:

 

Über Kunstkommissionskunst = gute Kunst wird die Kunstjury von ‚mehr als Kunst‘ morgen Dienstag tagen. Die Schreibende wird anschliessend darüber berichten und Beispiele guter Kunstkommissionskunst aufzeigen, sofern man sie nach dem heutigen Blogeintrag nicht lyncht.

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