Sitzung vom 8. Februar 2012

Sitzung, Teil I:

Anwesend:

Andreas Hofer, Dan Schürch, Sabine Frei, Mirjam Varadinis, Charlotte Tschumi, Philipp Meier, Irene Grillo, Stefan Wagner, die Schreibende.

Das Jahr der beiden Kuratoren Irene Grillo und Stefan Wagner neigt sich bald dem Ende zu und darum haben sie eine Dokumentation über bereits realisierte, sowie noch geplante Projekte und das dazugehörende Budget erstellt und diese präsentiert. Die Kunstkommission wollte genau wissen, welche Projekte weiter verfolgt werden und war überrascht, dass einige Projekte (zB. das mit Philip Matesic, sowie die Zusammenarbeit mit der Kunstschule F+F) zwar weiterhin aktiv sind, niemand aus der Kunstkommission aber davon wusste.

Aber ja, es hätte etwas mehr Kommunikation sein können.

Die realisierten Interventionen wurden von der Kunstkommission sehr gut aufgenommen und speziell das Projekt von Felix Eggmann, welches tief in die Statuten der Baugenossenschaft eingreift, wird sehr gelobt. Der Kunstkommission war nicht ganz klar, warum ein Podiumsgespräch stattfand, wenn ein allfälliges Feedback keinen Eingang in den Prozess finden soll, aber dies konnten die beiden Kuratoren aufklären. Die Umfrage-Aktion „Interessieren sie sich für Kunst?“ mit den Postkarten, welche an die beteiligten Baugenossenschaften versandt wurden, sollen von einem Mathematiker ausgewertet und das Resultat anschliessend vom deutschen Künstler Frank Hesse interpretiert werden. Die Umsetzung der Umfrage provozierte bei Andreas Hofer Kopfschütteln, hatte er und der Rest der Kommission doch einen höheren Rücklauf als die erzielten knapp 1,2% erwartet und Philipp Meier nannte eine mathematische Auswertung darum einen Habakuck, welcher aber durchaus auch seine Berechtigung habe.

Aber ja, es hätte etwas mehr Kommunikation sein können.

Danach wurde das Budget besprochen, welches mit CHF 80’000 veranschlagt war. Dieses ist bis dato noch nicht ausgeschöpft weil einige Projekt wegen kurzfristiger Absage der Künstler nicht zustande kommen konnten. Allerdings ist noch eine Publikation der Produktionen geplant und diese ist mit CHF 12’000 vermutlich viel zu tief budgetiert. Die Kommission will sich darüber beraten, ob und welche zusätzlichen Projekte in Angriff genommen werden sollen, aber grundsätzlich hat sie sich nachdrücklich dafür ausgeprochen, dass laufende Projekte sauber und umfassend zu Ende gebracht werden sollen. Ob eine Verlängerung des Engagements von Grillo/Wagner angestrebt wird, ist noch unklar, die Stimmung im Raum und Dan Schürchs klare Worte sprachen allerdings eher dagegen. Die Kuratoren werden das Budget verbessern (es war etwas umständlich zu lesen) und eine verbindliche Offerte einholen, was eine Publikation kosten würde und diese bis in einer Woche der Kommission vorlegen.

Aber ja, es hätte etwas mehr Kommunikation sein können.

Die beiden Kuratoren Grillo/Wagner hatten am Vorabend ein respektabel langes Mail betreffend den letzten Blogeintrag verfasst und an alle Kommissionsmitglieder verschickt, leider war die Schreibende nicht auf dem Verteiler und kann daher über den Inhalt des Mails höchstens spekulieren.

Aber ja, es hätte etwas mehr Kommunikation sein können.

 

 

Sitzung, Teil 2:

Anwesend:

Dan Schürch, Sabine Frei, Mirjam Varadinis, Charlotte Tschumi, Philipp Meier, Patrik Riklin, die Schreibende (Andreas Hofer konnte am 2. Teil der Sitzung nicht teilnehmen, da der 1. Teil länger als geplant gedauert hatte), die Schreibende.

Nach Abschluss des ersten Teils der Sitzung mit Grillo/Wagner übergaben die beiden den Stab feierlich weiter an ihre Nachfolger für die 2. Phase, Frank und Patrik Riklin, Atelier für Sonderaufgaben, welche an der heutigen Sitzung durch Patrik vertreten wurden.

 

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Kommissionsmitglieder hat Patrik über sich und seinen Bruder Frank und über die Entstehung des Atelier für Sonderaufgaben erzählt. Die beiden Zwillingsbrüder haben eine Lehre als Hochbauzeichner absolviert und danach den Vorkurs an der Kunstgewerbesschule in St. Gallen besucht. Bereits ein Jahr später, 1999, wurde das Atelier für Sonderaufgaben gegründet und wenn der Firmenname auch Programm ist, so sehen sich die beiden trotzdem nicht als Dienstleistungsbetrieb, der gefällige Lösungen anbietet. Zwischen 2000 und 2005 wurde der Ordnung halber noch Kunst in Zürich, bzw. in Berlin und Frankfurt studiert.

Für Frank und Patrik Riklin, Atelier für Sonderaufgaben, ist nicht der Kunde König, sondern der Inhalt und dementsprechend können sie sich mit dem Begriff „Mehr als Kunst“ bestens identifizieren, sind sie doch auch der Überzeugung, das Kunst alleine nicht ausreicht. Nachdem Patrik Riklin die Herangehensweise des Ateliers an Aufgaben und Prozesse mit Begriffen wie ‚Herzblut‘, ‚Leidenschaft‘ und ‚Lust‘ umschrieben hatte, war die Kommission bereits zur Hälfte gekauft, als dann noch der Ausdruck ‚Tiger‘ fiel, war es für die Schreibende höchste Zeit, die Sitzung fluchtartig zu verlassen, ist sie subtiler Verbalerotik doch so gar nicht gefeit. Daran wird sie arbeiten müssen, sieht die Planung der Riklin-Brüder doch noch einige Sitzungen voraus…

 

 

Gute Kunst erkennt man in genau 32 Minuten.

Während bei der Phase 1 eine stundenlange und hitzige Diskussion dazu führte, dass man dem Kuratoren-Team Grillo/Wagner den Zuspruch gab (eigentlich dem weiblichen Teil des Teams, Irene Grillo, während man Stefan Wagner wohl oder Übel in Kauf nahm), war die Diskussion am letzten Dienstag eine erstaunlich kurze.

 

 

Zu Beginn der Sitzung, an welcher Dan Schürch seine Geschäftspartnerin Anne Kaestle, Duplex Architekten vertrat, übten sich die Mitglieder der Kunstkommission in Selbstkritik. Man war sich bewusst, dass die Archtekten zu wenig umfangreich informiert wurden und dass man sie damit ins offene Messer hat laufen lassen. Den Wunsch nach Kunst, welcher dem Bau einen Mehrwert verleihen würde, will man allerdings ernst nehmen, nicht zuletzt wegen der langen Tradition von verschönernden Kunst an Genossenschaftsbauten und Arbeitersiedlungen. Diese Thematik möchte man den Künstlern der Phase II als Aufgabenstellung mitgeben um den geschichtlichen Kontext des Quartiers miteinzubeziehen.

 

 

Das Architekturbüro ‚Futurafrosch‚ hatte aus Anlass der Präsentation ein paar Tage zuvor die Brüder Patrick und Frank Riklin und ihr ‚Atelier für Sonderaufgaben‚ ins Spiel gebracht und bei der Abstimmung war man sich sofort einig, dass man das Budget von CHF 400’000.– diesen beiden anvertrauen wollte. Sabine Frei musste während der Abstimmung übrigens den Raum verlassen, weil sie als Mitbesitzerin von ‚Futurafrosch‘ nicht unparteiisch ist. Dies auf ausdrücklichen Wunsch des seriös marin gewandeten und von einer beeindruckenden, sowie verblüffenden Ernsthaftigkeit umwehten Philipp Meier.

 

 

Mirjam Varadinis sowie Charlotte Tschumi, denen die Arbeiten der Brüder Riklin bekannt sind, haben sich beide sehr positiv über die Professionalität, Kooperationsbereitschaft und die fachmännische Herangehensweise der beiden an deren Sonderaufgaben geäussert. Ausserdem traut man diesem Duo mehr mediale Anziehungskraft zu, als den beiden Vorgängern, welche sich bewusst kommerziellen Kanälen wie Facebook oder Youtube verweigert hatten.

Die Zusammenarbeit mit dem Kuratorenteam Grillo/Wagner war Inhalt der restlichen Sitzungszeit. Die Vertreter der Baugenossenschaft beklagen fehlende Kommunikationsbereitschaft, zum Beispiel bezüglich der Pressearbeit für die Podiumsdiskussion über die Wohnungsverlosung, welche als tatsächliche Verlosung und nicht als Diskussion darüber angekündigt worden war. Einige Teilnehmer waren enttäuscht darob und hatten den Anlass darum vorzeitig verlassen.

Auch der Blog wurde einmal mehr diskutiert und die Kunstkommission hat sich negativ über die Neuerung darauf geäussert. Den Jurymitgliedern gefällt die Aufteilung zwischen dem Teil der Schreibenden und dem der Kuratoren nicht. Sie können nicht nachvollziehen, warum es Grillo/Wagner so wichtig ist, einen eigenen Informationsstrang zu unterhalten, hätte es eine informative Agenda doch auch getan.Wie der Blog nach Ablauf der Zusammenarbeit mit den Kuratoren der Phase I aussehen wird, ist noch offen. Die Schreibende freut sich jedenfalls auf die weitere Zusammenarbeit mit der Kunstkommission und den Künstlern der zweiten Phase, sie kann ahnen, dass sich die beiden Jungs verdammt gut machen werden, in ihrem Blog…

 

Workshop vom 20. Januar 2012 oder Genossenschaftskunst vs. Kunstkommissionskunst

Anlässlich der Sitzung vom 30. November 2011 wurde von Mirjam Varadinis ein Auftragsschreiben verfasst, welches an die involvierten Architekturteams abgegeben wurden. Darin werden Sie gebeten, eine Präsentation vorzubereiten, in welcher sie ihre Ideen und bevorzugten Künstler vorstellen.

 

 

Einladung zum Workshop vom 20. Januar 2012

 

Nach den Präsentationen der Vertreter der Architektur-Büros fand eine Diskussion statt über die Ideen und Ansätze, welche präsentiert wurden.

Danach durften die Architekten wieder ihres Weges gehen und zurück blieb die Kunst-Jury, sowie die Schreibende. Einige Mitglieder der Kunst-Jury waren desillusioniert darob, dass drei der fünf Architekturbüros überwiegend Kunst vorschlugen, welche hauptsächlich verschönernd wirken soll. Es wurden Farben und Wand-Malereien gezeigt. Putzstrukturen und Tapeten sowie Keramik, in Form von Mosaiken und Platten aber auch Schlosserarbeiten und Interventionen, welche den Lichteinfall miteinbeziehen. Die Jury rollte die kunstverständigen Augen, während der Chef der Baugenossenschaft sich die Hände rieb. Doch da hatte er die Rechnung ohne das Gremium gemacht, welches nicht möchte, dass das zusammengestrichene Architektur-Budget mit Hilfe des Kunst-Budgets aufgepeppt wird. Es soll zwar durchaus ein Manifest und keine Performance-Kunst entstehen, aber bitte nicht zu angewandt und schon gar nicht dekorativ, so die Jury.

Man hatte sich radikalere, bauliche Eingriffe gewünscht, für diese bräuchte es allerdings eine nachträgliche Baubewilligung weil die Baueingabe bereits erfolgt war. Man hatte sich eine Thematisierung der wunden Punkte der Architektur gewünscht, aber würden die betreffenden Architekten solche preisgeben um diese künstlerisch auszumerzen? Und so fragte man sich einmal mehr, ob der Zeitpunkt für die Intervention richtig gewählt und der Auftrag klar genug formuliert worden war.

Ein Architekturteam präsentierte die Gebrüder Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin und ihr ‚Atelier für Sonderaufgaben‘ und der Landschaftsarchitekt begeisterte mit Bildern üppig bewachsener Urban Farming Projekte, welche das urbane Quartier bereichern würden. Aber die Baugenossenschaft hat Projekte dieser Art bereits geplant und budgetiert und will diese darum nicht im Rahmen von „mehr als Kunst“ umsetzen.

Die Jury war davon ausgegangen, dass die Architekten selbständig wissen würden, welche Art von Kunst sie sich vorgestellt hatten, und der Kurator der Phase I, Stefan Wagner belächelte das Präsentierte als oberflächliche Deko. Die Schreibende distanziert sich von jeglicher Definition von Kunst und gibt zu bedenken, dass es einem Architekten, dem in dieser Phase des Baus an allen Ecken und Enden das Budget gekürzt wird, wohl zynisch anmuten muss, über ein Kunstbudget von CHF 400’000 zu verhandeln, welches seinem Bau nicht in erster Linie einen optischen Mehrwert erbringen darf.

Die Schreibende wird hier für alle mitlesenden Architekten, die den Unterschied zwischen Deko und Kunstkommissionskunst noch nicht kennen, kurz zusammenfassen:

Deko = keine/schlechte Kunst:

 

Über Kunstkommissionskunst = gute Kunst wird die Kunstjury von ‚mehr als Kunst‘ morgen Dienstag tagen. Die Schreibende wird anschliessend darüber berichten und Beispiele guter Kunstkommissionskunst aufzeigen, sofern man sie nach dem heutigen Blogeintrag nicht lyncht.

Wohnung zu verlosen?

Wenn Kunst auf Kommerz trifft, dann wird das Resultat in der Regel eher unbedenklich weil man den potenten Kunden ja nicht allzusehr überfordern möchte. Wenn eine Baugenossenschaft eine knappe Million in Kunst investieren muss, weil die Statuten eine Investition von 1% der Bausumme in Kunst vorschreibt, dann kann man einem Experten die Kohle in die Hand drücken und ihn beauftragen, auf dem internationalen Markt etwas risikofreie Kunst zusammenzukaufen. Oder man stellt ein Gremium zusammen, welches nach Kuratoren sucht und lässt diese dann walten. So geschehen in März letzten Jahres. Seit anhin ist einiges auf der Brache zwischen Leutschenbach und Schwammendingen passiert. Performances, welche den Platz in ein anderes Licht gerückt haben. Die aktuelle Intervention wird nachhaltigere Folgen haben, wenn auch diesmal nicht sichtbare.

Felix Eggmann will die Richtlinien der Genossenschaften zur Vergabe von Wohnraum sowie das Auswahlverfahren zum Thema machen und hat deswegen eine Verlosung entwickelt, welche alle Bedingungen aushebelt, und den Zufall entscheiden lässt.

Dieses Prozedere wurde gestern abend anlässlich einer öffentlichen Podiumsdiskussion vorgestellt und die Vertreter der Baugenossenschaft ‚mehr als Wohnen‘, Monika Sprecher und Peter Schmid, sowie die anwesenden Zuschauer waren aufgefordert, an der Diskussion teilzunehmen.

 

 

 

 

 

Die Idee wäre also, dass eine Mieterschaft per Computer ausgelost würde und die Laufzeit des Mietvertrags sowie die Kündigungsfrist wären ebenfalls dem Zufall überlassen. Ein Mietvertrag würde wie folgt lauten:

 

 

Was die beiden Vertreter der Genossenschaft ‚mehr als Wohnen‘ zu dieser Idee meinen, sehen Sie in diesem Video mit dem Titel „Wenn das schon Kunst ist“:

Hier geben sich die beiden kämpferisch und mutig. Die Übergabe der leuchtenden Dokumente wurde von strahlenden Gesichtern untermalt. Die Schreibende ist gespannt darauf, zu sehen, was davon umgesetzt werden kann.

Herr Philipp Meier war so freundlich, den Anlass zu protokollieren. Die Schreibende dankt ihm an dieser Stelle ganz herzlich.

 

Mehr als Kunst startet in die 2. Phase

Am 30. November 2011 fand ein Kick-off Meeting statt, an welchem die 2. Phase des Projekts ‚mehr als Kunst‘ besprochen wurde, sowie das konkrete Vorgehen, wie man Künstler/Kuratoren für die Bespielung dieser Phase finden würde. Alle am Bauprojekt ‚mehr als Wohnen‚ involvierten Planungsteams können Vorschläge einreichen, mit welchen Künstlern/Kuratoren sie gerne zusammenarbeiten würden und sich dazu äussern, ob überhaupt das Interesse eines Engagements besteht.

Anlässlich dieser Sitzung wurde folgendes Papier erarbeitet, mit welchem am 20. Januar darüber in die Debatte gestartet wird, wer für CHF 400’000 die 2. Phase für ‚mehr als Kunst‘ und die Hunziker-Brache bespielen wird. Die Schreibende freut sich bereits auf leidenschaftliche Diskussionen und viel Herzblut!

 

 

 


 

Sitzung der Kunstkommission ‚mehr als Kunst‘ vom 21. September 2011

 

 

Die Sitzung fand statt in der Geschäftsstelle der Baugenossenschaft ‚mehr als wohnen‘ von 9 Uhr bis 11.17 Uhr.

Anwesend waren:

Andreas Hofer, Charlotte Tschumi, Mirjam Varadinis, Monika Sprecher, Philipp Meier, Sabine Frei sowie das Kuratorenteam Irene Grillo und Stefan Wagner mit dem Künstler Philip Matesic und die Schreibende.

Monika Sprecher hatte vorab die Traktanden für die Sitzung sowie ein von Mirjam Varadinis formuliertes Skriptum zur Phase 2 verschickt.

1.    Protokoll Sitzung vom 5.07.11 (vorhanden?)
2.    Besprechung Konzept Phase 2, Grundlage ist das Papier von Mirjam anbei
3.    Termin Workshop mit Architekten
4.    Kommunikation während Phase 2 und 3 (Blog usw.)
5.    Bericht über Aktuelles von Phase 1 (Irene und Stefan) sowie neue Projektidee

 

Die Sitzung begann mit einem Rückblick von Irene Grillo auf die Kunstaktionen, welche vom Kuratorenteam Grillo/Wagner bereits umgesetzt wurden. Der Anlass von Quinh Dong, welche das verregnete Hunziker Areal besang, war trotz des unfreundlichen Wetters gut besucht und ein Erfolg für die Kuratoren.

Irene Grillo erwähnte, dass es demnächst einen Informationskanal auf der Website von ‚mehr als Wohnen‘, auf welchem die beiden Kuratoren über ihre Aktionen berichten, geben würde. Dies führte zu neuerlichen Diskussionen darüber, welche Rolle der Blog ‚mehr als Kunst‘ haben soll und ob es sinnvoll ist, eine weitere Plattform zu pflegen. Bis anhin wurde der Blog der Schreibenden vom Kuratorenteam Grillo/Wagner mehr oder weniger ignoriert und in keinem der Newsletter-Emails der beiden erwähnt. Auf Anfrage der Schreibenden haben die Kuratoren Material und Bilder für den Blog zur Verfügung gestellt, darüberhinaus aber nicht weiter daran partizipiert. Das Kuratorenteam wünscht einen Kanal, der rein informativ über deren Aktionen berichtet, während der Blog der Schreibenden bis anhin eher auf der Meta-Ebene über die Entscheidungen und Prozesse während der Sitzungen berichtete. Die Sitzungsteilnehmer haben darüber sinniert, ob es möglich wäre auf dem Blog einen rein informativen sowie einen bis anhin kommentierten Teil zu führen. Während die Kuratoren dies eher bezweifelten, waren die Mitglieder der Kunstkommission zuversichtlich; die Schreibende gar überzeugt. Demzufolge wird der Blog demnächst in seiner Struktur den neuen Anforderungen angepasst und dafür kein zusätzlicher geführt werden. Der Auftrag an die Schreibende wird aufgestockt und der Blog künftig noch mehr Hintergrundinformationen zu den Kunstaktionen der Kuratoren enthalten.

Ausserdem sprach das Kuratorenteam Grillo/Wagner den Wunsch aus, mit dem Künstler Raphael Hefti ein bleibendes Objekt schaffen zu dürfen. Raphael Hefti ist ein 1978 in Biel geborener Künstler, dessen Arbeiten alchemistische Prozesse und das Spiel mit Materialien und Elementen beeinhalten. Die Kuratoren könnten sich eine Umwandlung eines bestehenden Materials von der heutigen Baubrache in ein Element, welches in den fertigen Bau einfliessen könnte, wie zum Beispiel im Form von Türfallen vorstellen. Falls eine Partizipation am Budget von Phase 3 unmöglich ist, wäre eine Studie, welche eine Dokumentation hervorbringen würde, möglich.

Das Projekt ‚mehr als Kunst‘ umfasst 3 Phasen. Die 1., welche von Grillo/Wagner kuratiert wird, umfasst die Bespielung der Brache, während die 2. die Phase während der Bauzeit und die 3. und letzte Phase nach Fertigstellung und Übergabe der Wohnobjekte stattfindet und eine klassische Umsetzung des Themas „Kunst am Bau“ ermöglicht. Ein bleibendes Objekt in der 1. Phase würde demzufolge die darauffolgenden Phasen nicht nur budgetmässig tangieren. Dieses Thema wird im Architekturworkshop im Novemeber diskutiert und beantwortet werden.

Ausserdem haben Grillo/Wagner die Zusammenarbeit mit dem 1977 in St. Gallen geborenen Künstler Felix Eggmann angekündigt. Dieser hat bereits mehrere Spiele entwickelt, unter anderem das Atomreaktor-Quartett ‚Super Trump Nuclear Plants‚, welches in jüngster Zeit leider grosse Aktualität erlangt hat. Er wird eine Recherchearbeit über die Mechanismen der Vergabe von Genossenschaftswohnungen durchführen und mit den dadurch bekanntgewordenen Gesetzmässigkeiten ein Spiel entwickeln. Geplant ist eine öffentliche Veranstaltung, an welcher über die Vergabe von Genossenschaftswohnungen diskutiert werden kann. Ziel ist es, dass 1 Wohnung des neuen Quartiers ‚mehr als Wohnen‘ mithilfe dieses Spiels vergeben wird. „Kunst am Bau“ würde somit zu „Kunst an den Genossenschafts-Statuten2 werden und die Mechanismen der Wohnungsübergabe thematisiert. (DAS gefällt der Schreibenden ausgesprochen gut!!!)

Am 6. Dezember 2011 werden die Kuratoren Grillo/Wagner zusammen mit Philip Matesic anlässlich eines Theory Tuesdays im Corner College über ihr Projekt „PLAY-MOBILE“ öffentlich debattieren.

 

 

Danach kam Philip Matesic zu Wort, welcher über sein Projekt „VERGISS DEINEN SCHIRM NICHT!“ berichtete. Er hatte Anfang August mit den Bewohnern des an die Baubrache angrenzenden Andreaspark 1 einen Workshop durchgeführt.  Die Nachbarn wurden aufgefordert, Ratschläge an die neuen Nachbarn mit Kreide auf den Aspahlt des Innenhofs zu schreiben. Danach hat Dan Krüsi von den Balkonen einiger Workshop-Teilnehmer Fotos des bunt beschrifteten Innenhofs gemacht.

Philip hätte gern tiefgreifendere Gespräche mit den Bewohnern des Andreaspark 1 geführt, aber dies war ihm leider nicht gelungen. Auch das Fotografieren von Balkonen forderte ihm einiges an Überzeugungskraft ab. Er wird weiterhin Research betreiben und prüfen, wie man eine nachhaltigere Beziehung pflegen könnte.

 

 

 

 

 

 

 

 

Als letztes wurde darüber diskutiert, wie man einen Kurator für die 2. Phase finden sollte. In der 1. Phase brachten die Kunstexperten der Kunstkommission ‚mehr als Kunst‘ Vorschläge ein und es wurden pro Experte ein Kurator/Künstler eingeladen. Diese 5 konnten sich anlässlich einer öffentlichen Präsentation im Cabaret Voltaire vorstellen und präsentieren und die Kunstkommission hat anschliessend in einer hitzigen Debatte dem Team Grillo/Wagner den Auftrag zur Bespielung der Baubrache mit Budget von CHF 100’000 übergeben.

Für die Vergabe der 2. Phase mit einem Budget von CHF 400’000 hat Mirjam Varadinis ein Grundlagenpapier ausgearbeitet, welches als Basis für die anschliessende Diskussion diente.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Schreibende hat die Meinungen der Kommissionsmitglieder zusammengefasst und wird diese in gekürzten Statements wiedergeben.

 

Philipp Meier:

Findet es sehr „spannend“, dass Laien die Auswahl machen sollen, obwohl er schon wisse, dass Architekten auch gerne ein bisschen Künstler seien. Er ist dafür, dass die Kunstkommission wie in der 1. Phase Vorschläge einbringen oder zumindest für die Architekturteams als Paten fungieren sollte. Er befürchtet, dass es in einem Frust enden wird, wenn man die Architekturteams beauftragt, nach Künstlern zu suchen, welche den Ansprüchen der Kommission dann eventuell nicht genügen. Er betont die Qualitätssicherung, welche bereits in einem frühen Stadium stattfinden müsse.

 

Andreas Hofer:

Sieht in Philipp Meier einen grossen Zensurierer und würde die Gefahr einer möglichen Frustration zu Gunsten der freien Arbeit der Architekturteams in Kauf nehmen. Er will einen Workshop, an welchem die Architekten Vorschläge machen können und dass die Mitglieder der Kunstkommission mit Rat und Tat zur Seite stehen.

 

Sabine Frei:

Findet es schön, dass den Architekturteams soviel Freiheit und auch Vertrauen geschenkt wird, findet den Auftrag allerdings zuwenig klar formuliert und sehr ambitioniert. Darum würde sie eine Unterstützung der Kunstkommission, zb. in Form einer Patenschaft sehr begrüssen.

 

Mirjam Varadinis:

Kann die Zweifel von Sabine Frei und Philipp Meier nicht nachvollziehen. Sie findet, man solle den Architekturteams freie Hand geben und sich überraschen lassen, was an Vorschlägen eingebracht wird. Für sie wäre es schade, wenn man von Anfang an „Sicherheiten“ einbaut, anstatt abzuwarten, was von den Architekturteams kommt.

 

Charlotte Tschumi:

Spricht sich für eine Hilfestellung der Kunstkommission aus, ist aber dafür, dass die Architekturteams eigene Ideen und Vorschläge einbringen sollen. Sie ist sich ob dem Aufwand der Recherche im Klaren und verlangt darum nach einem klaren Auftrag, an welchem sich die Architekten orientieren können. Sie fordert: MUT ZU NEUEN WEGEN!

 

Die Schreibende kümmert sich derweil um den Kaffee und freut sich auf den Workshop!

Philip Matesic lässt Nachbarn in spe Wünsche an die neuen Anwohner auf Asphalt niederschreiben.

Das Quartier an der Grenze zwischen Schwamendingen und Leutschenbach wird durch den Bau von 470 Wohnungen stark wachsen und sich verändern. Dieser Prozess von der Hunziker-Brache zum belebten Quartier wird während der Laufzeit von der Planung bis zum Bezug der Wohnungen von KünstlerInnen begleitet. Der erste von drei Abschnitten dauert von der Planungsphase des Wohnquartiers bis zum Baubeginn. Das Kuratorenteam Grillo&Wagner bespielt während dieser Zeit die nackte Brache mit verschiedenen KünstlerInnen und Projekten, die unter dem Titel „PLAY-MOBILE“ zusammengefasst sind.

Im Rahmen des Projekts „VERGISS DEINEN SCHIRM NICHT!“ hat Philip Matesic die Anwohner des Andreaspark, welcher an das zu bebauende Grundstück von „mehr als wohnen“ grenzt, eingeladen, ihre Ratschläge und Wünsche an die neuen Nachbarn zu adressieren.

Die Bilder stammen von Dan Krüsi und wurden von der Schreibenden auf der Website von Philip Matesic geklaut. Mehr Informationen zum Projekt „VERGISS DEINEN SCHIRM NICHT! finden sie hier.

 

 

 

Quynh Dong im Regen.

Manchmal ist der Regen ein unerwarteter Freund. So wie hier, als er Quynh Dong ins beste Licht rückte und dafür sorgte, dass sie sich in jeder noch so kleinen Pfütze elysisch reflektierte.

 

 

 

 

Mit bestem Dank für die wunderschönen Bilder an Alessandro Frigerio.

Da ist Klang auf der Brache – Quynh Dong besingt das Hunziker Areal.

Am Freitag, 5. August 2011, 21 Uhr

Hunziker-Areal (zwischen Hagenholzstrasse und Zirkusgebäude)

(Bei schlechtem Wetter findet die Performance am Samstag, 6. August, zur gleichen Zeit statt.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fast zeitgleich startet das Projekt „Vergiss deinen Schirm nicht!“ von Philip Matesic, welches er für die Bewohner des angrenzenden Andreaspark entwickelt hat.

Philip Matesic (*1983) wuchs in Champaign (USA) auf und absolvierte einen Masters in Art. Er interessiert sich in seiner künstlerischen Arbeit für das soziale Potenzial der Kunst, weshalb er bereits verschiedene Kunst und Öffentlichkeitsprojekte realisierte. Zurzeit lebt er in Zürich. Für PLAY-MOBILE wird Matesic ein mehrstufiges Projekt realisieren, das über mehrere Monate hinweg die Bewohnerschaft des an das Hunziker-Areal angrenzenden Andreaspark einbindet. Die dort ansässigen Bewohnerinnen und Bewohner werden die künftige Nachbarschaft darstellen, weshalb der Künstler dazu einlädt, den neuen Mieterinnen und Mietern einen Rat zu erteilen. Die verschiedenen Räte werden im Innenhof des Andreaspark auf den Boden geschrieben und für die Zukunft dokumentiert. Damit soll schon jetzt das Neubauprojekt in die Nachbarschaft einfliessen, wobei Matesic Wert darauf legen wird, persönliche Beziehungen zur Bewohnerschaft zu knüpfen. Aus diesen Beziehungen werden wiederum neue Projekte entstehen.

Seine Einladung, welche an alle Bewohner des Andreaspark in Oerlikon verteilt wurde:

 

Alles bleibt gut.

Vielleicht ist es aufgefallen, dass sich die Schreibende schon länger nicht mehr mit dem Kuratorenteam Grillo&Wagner auseinandergsetzt hat. Das will sie hiermit trotz Sommerpause nachholen und klarstellen, dass die Website www.Stefanwagner.ch nachweislich nichts mit unserem Stefan Wagner zu tun hat. Danke.

(Und falls doch, bitte nochmals die visuelle Umsetzung überdenken, danke.)