Mehr als Kunst startet in die 2. Phase

Am 30. November 2011 fand ein Kick-off Meeting statt, an welchem die 2. Phase des Projekts ‚mehr als Kunst‘ besprochen wurde, sowie das konkrete Vorgehen, wie man Künstler/Kuratoren für die Bespielung dieser Phase finden würde. Alle am Bauprojekt ‚mehr als Wohnen‚ involvierten Planungsteams können Vorschläge einreichen, mit welchen Künstlern/Kuratoren sie gerne zusammenarbeiten würden und sich dazu äussern, ob überhaupt das Interesse eines Engagements besteht.

Anlässlich dieser Sitzung wurde folgendes Papier erarbeitet, mit welchem am 20. Januar darüber in die Debatte gestartet wird, wer für CHF 400’000 die 2. Phase für ‚mehr als Kunst‘ und die Hunziker-Brache bespielen wird. Die Schreibende freut sich bereits auf leidenschaftliche Diskussionen und viel Herzblut!

 

 

 


 

LANDBEGEHUNG MIT TRÜFFELHUND

Freitag, 2. Dezember 2011, 13 bis 14 Uhr

 

KRITISCHE BEFRAGUNG

DAS KURATORENDUO IRENE GRILLO UND STEFAN WAGNER IST ZU GAST BEI THEORY TUESDAYS IM CORNER COLLEGE

Dienstag, 6. Dezember 2011, 20 Uhr
Im Corner College, Kochstrasse 1, 8004 Zürich

Das Kuratorenduo Irene Grillo und Stefan Wagner präsentiert die ersten Ergebnisse seiner Arbeit und Recherche im Rahmen der Diskussionsreihe „Theory Tuesdays“ im Corner College. Welches Resümee lässt sich nach rund acht Monaten Arbeit auf dem Hunziker-Areal ziehen? Sind die hoch gesteckten Ziele überhaupt zu erreichen?

Zur öffentlichen Veranstaltung sind alle Interessierten herzlich eingeladen, Kommentare, Kritiken oder Vorschläge für das weitere Vorgehen einzubringen.

Link zu Corner College: www.corner-college.com

 

LANDBEGEHUNG MIT EINEM TRÜFFELHUND

RAPHAEL HEFTI – LANDBEGEHUNG MIT EINEM TRÜFFELHUND – TEIL 1.

Freitag, 2. Dezember 2011, 12:30
Hunziker-Areal, Hagenholzstrasse 106, 8050 Zürich

Der zwischen Zürich und London pendelnde Raphael Hefti (*1978) hat als Beitrag für PLAY-MOBILE eine offene Reihe von Experimenten bestimmt. Ganz dem Gedanken der Recherche verpflichtet setzt Hefti nun für seine erste Erforschung auf dem Hunziker-Arel einen Trüffelhund ein, um mit dessen Nase in den Boden hinein zu blicken, ohne aber dessen Oberfläche bei der Suche verletzen zu müssen. Bis heute ist es nicht gelungen, ein technisches Gerät zu konstruieren, das in der Lage ist, Trüffel aufgrund ihres Geruchs zu finden. Eine Hundenase hingegen findet nach einem Training zielsicher die wertvollen Knollen.

Weshalb aber ist Hefti überhaupt auf die Idee gekommen, mit einem Trüffelhund eine Landbegehung vorzunehmen? Das Hunziker-Areal ist ein ehemaliges Riedgebiet, das wie viele andere Landschaften in der Schweiz mit der sich verstärkenden Industrialisierung im 20. Jahrhundert trocken gelegt wurde. Die umliegenden Gebäude wurden anschliessend auf einer aufgeschütteten Ebene errichtet. So auch die still gelegte Betonelementefabrik Hunziker, welche ab den 1950er Jahren bis zur Stilllegung in den 70er Jahren Bauelemente für die Stadt Zürich sowie die Umgebung produzierte. Ein kleiner Flecken Land ist der Aufschüttung entgangen – warum dies so kam ist unklar. Auf diesem kleinen Landstück hat sich der alte Baumbestand erhalten und man kann davon ausgehen, dass zumindest im Boden riedähnliche Strukturen vorhanden sind, die ein Trüffel-Wachstum zulassen. Fände man einen solchen Trüffel bliebe die Frage offen, ob dieser überhaupt essbar wäre, da damit zu rechnen ist, dass der Boden in der Zeit der starken Industrialisierung durch Abwässer mit Giftstoffen belastet worden ist. Ein Fund wäre eine Sensation, die Verwertbarkeit für ein Essen wäre aufgrund der Vorgeschichte des Bodens aber fragwürdig.

Die Konzeption der Landbegehung mit einem Trüffelhund schliesst an Heftis künstlerischem Interesse an, Randphänomene in der Wissenschaft zu untersuchen. Hefti wurde einem grösseren Publikum durch seine Landschaftsfotografie bekannt, die er bei Nacht und Magnesiumbelichtung anfertigte. Vor einem Jahr beschäftigte er sich mit der Phlogiston-Theorie, einer Wissenschaftstheorie des 17. und 18. Jahrhunderts, die durch die Oxidationstheorie widerlegt wurde. Diese führte ihn schliesslich zu einer Sporenart, dem Lycopodium, mit denen er Bilder erstellte. Heftis Arbeiten zeichnen sich durch einen Antagonismus aus, der heutige Wissenschaftsbegriffe mit historischen abgleicht. Es entstehen Kunstwerke, welche Bruchlinien zwischen rationalen und irrationalen Systemen entwerfen und in ihrer Erscheinung durch ihre ästhetische Einfachheit und historische Informationsdichte bestechen.

Webseite des Künstlers: www.raphaelhefti.ch

 

WOHNUNG ZU VERLOSEN

FELIX EGGMANN – WOHNUNG ZU VERLOSEN 
ab Januar 2012

Bild: Entwurf für ein mögliches Inserat

Felix Eggmann (*1977 in St. Gallen) lebt und arbeitet in Zürich. Nach der Ausbildung an der Zürcher Hochschule der Künste im Studienfach Neue Medien (1999-2003) arbeitete er bis 2010 als Assistent an der ZHdK in den Bereichen Generatives Design / Echtzeit Grafik, Interaktive Installation und Creative Computing. Unter dem Label „FLX Labs“ erarbeitet er eigene künstlerische Projekte, die oft eine spielerische Form annehmen. Für PLAY-MOBILE wird Felix Eggmann eine neue Arbeit konzipieren, welche die Kriterien der Wohnungsvergabe bzw. die Aufnahmeverfahren von Neu-Mitgliedern in Baugenossenschaften thematisiert.

Mit dem Projekt „Wohnung zu verlosen“ will Eggmann ein System der Mieterwahl einrichten, dass bei der Vermietung einer bestimmten Wohnung in den neuen Bauten auf dem Hunziker-Areal „Soziale Ungerechtigkeit, Verfilzung und menschlichen Irrtum oder Willkür verhindern soll“ (Eggmann). Die Auswahl unter den Bewerberinnen und Bewerbern will der Künstler ganz dem Zufall überlassen. Dafür wird er eine Reihe Spielregeln bestimmen, die das Zufälligkeitsprinzip gewährleisten.

In einem ersten Treffen wird Eggmann die von ihm konzipierten Spielregeln für die Vergabe der ausgewählten Wohnung den Mitgliedern der Geschäftsleitung von mehr als wohnen vorstellen, und mit ihnen über die Realisierbarkeit des Projektes sowie dessen Bedingungen diskutieren. Das Kuratorenduo Grillo/Wagner wird die erste Sitzung moderieren und mit weiterem Recherchematerial zu Wohnungsvergabepolitik von Genossenschaften unterfüttern. In einem zweiten Treffen werden die zwei Parteien über nötige oder mögliche Änderungen in den vom Künstler definierten Spielregeln verhandeln. In einer dritten, feierlichen Veranstaltung werden die verhandelten Spielregeln vertraglich festgelegt. Alle drei Veranstaltungen werden öffentlich sein und werden ab Januar 2012 in Zürich stattfinden.

Die Arbeit, welche auf den ersten Blick die schlichte Form eines trockenen „Vertrages“ zwischen Felix Eggmann und der Baugenossenschaft mehr als wohnen zu haben scheint, überspringt bei einer genaueren Analyse die Idee eines traditionellen Kunst-und-Bau Projektes, ohne diese aber komplett zu verneinen. Ähnlich einer eher konventionellen Arbeit wird das Projekt „Wohnung zu verlosen“ dauerhaft das neue Quartier in Zürich-Leutschenbach prägen und „ausschmücken“. Genau wie diese wird sie ausserdem auch unregelmässige „Unterhaltsarbeiten“ benötigen – hier mehr im Sinne von einem administrativen Aufwand denn als technischer Einsatz von Reinigungs- oder Renovationsteams. Die Unberechenbarkeit und Veränderbarkeit, welche der Arbeit innewohnen, bringen aber eine neue Komponente innerhalb dieses bestens bekannten Schemas: Die Arbeit verändert sich zusammen mit den Menschen, die sie mit jedem MieterInnenwechsel in die Arbeit selbst involviert, und lebt auch von deren Vielfältigkeit und Diversität. Das zufällige Auswahlverfahren sorgt dafür, dass unerwartete und vielleicht auch „nicht ganz passende“ Personen den Zugang zum Mikrokosmos der Baugenossenschaft finden und diesen auf ihrer je eigene Weise beeinflussen.

Webseite des Künstlers: www.flxlabs.org

VERGISS DEINEN SCHIRM NICHT!

PHILIP MATESIC – VERGISS DEINEN SCHIRM NICHT!
Samstag, 13. August 2011, ab 11 Uhr

Bilder: Dan Krüsi

Philip Matesic (*1983) wuchs in Champaign (Illinois, USA) auf und absolvierte einen Master in Arts an der University of Illinois in Chicago. Er interessiert sich in seiner künstlerischen Arbeit vornehmlich für das soziale Potenzial der Kunst, weshalb er bereits verschiedene Kunst- und Öffentlichkeitsprojekte realisierte. Zurzeit lebt er in Zürich.

Für PLAY-MOBILE wird Matesic ein mehrstufiges, partizipatives Projekt initiieren. Über mehrere Monate hinweg wird er versuchen, die Bewohnerschaft der an das Hunziker-Areal angrenzenden Andreasparksiedlung auf die Veränderungen in ihrer Nachbarschaft aufmerksam zu machen und den anstehenden Transformationsprozess des Areals zu thematisieren. Dabei legt er sehr viel Wert darauf, persönliche Beziehungen zu ihnen zu knüpfen, um wiederum aus diesen Beziehungen neue Projekte entstehen zu lassen. Als Künstler versteht Matesic seine Funktion innerhalb dieses Projektes nicht als diejenige des alleinigen „Autors“, sondern er möchte vielmehr die Bewohnerinnen und Bewohner des Andreasparks als Co-Autoren gewinnen.

Mit dem Workshop „Vergiss deinen Schirm nicht!“ hat Matesic seine partizipative Reihe eröffnet. Er hat Bewohnerinnen und Bewohner des Andreasparks eingeladen, der unmittelbaren Nachbarschaft einen Rat zu erteilen. Die verschiedenen Ratschläge wurden mit farbigen Kreiden im Innenhof des Andreasparks auf den Boden geschrieben und konnten von den Balkonen der Privatwohnungen der Siedlung gelesen und beobachtet werden. Aus derselben Perspektive wurden die Inschriften auch für die Zukunft fotografisch dokumentiert. Die Frage bleibt offen, ob die Ratschläge aktuell bleiben, wenn die neue Nachbarschaft auf dem Hunziker-Areal eingezogen ist. Matesic wird deshalb in den nächsten Monaten weitere Projektvarianten ausprobieren.

Webseite des Künstlers: www.philipmatesic.com

NGOC LAN FOREVER

QUYNH DONG – NGOC LAN FOREVER
Freitag, 5. August 2011, 21 Uhr

Bild: Alessandro Frigerio

Quyhn Dong (*1982 Hai Phong, Vietnam, lebt und arbeitet in Zürich) widmet einen Grossteil ihrer künstlerischen Arbeit dem Kultur-Transfer zwischen der Schweiz und Vietnam: Performances und Videos dienen ihr als Transportmittel, mit denen sie vietnamesisches Kulturgut in die Schweiz und schweizerisches nach Vietnam trägt.

In der Performance Ngoc Lan Forever vermischt Quynh Dong Identitätsfragen und persönliche Geschichten mit der Melancholie des Ortes, an dem die Aktion stattfindet. Das in der Nacht beleuchtete Hunziker-Areal als Bühne benutzend, singt sie während einer 30minütigen Performance eine Auswahl von Liedern Ngoc Lans. Ngoc Lan war eine der erfolgreichsten im Ausland lebenden vietnamesischen Sängerinnen der 80er Jahre. Die Identitätsfragen, die Quyhn Dong mit ihrer Performance stellt, werden metaphorisch in Form von Licht und Ton auf dem ganzen Areal verstreut. Der Umwandlungsprozess, in dem sich das Hunziker-Areal derzeit befindet, wird somit beleuchtet und seine zukünftige Gestaltung zum Thema gemacht. Dabei verbinden sich die «Ideale» der Baugenossenschaft mit bestehenden architektonischen Plänen. Ob die Hoffnungen der Initiatoren des Projektes auf einen hohen sozialen Austausch unter den Bewohnenden des neuen Viertels eingelöst werden können, wird die Zukunft weisen. Hier zeigt sich die Identitätssuche der Künstlerin im Lied als eine Allegorie auf das werdende Quartier, welches sein Gesicht auch erst noch finden muss.

Eine Videodokumentation der Performance ist hier zu finden.

Webseite der Künstlerin: http://quynhdong.ch

Interessieren Sie sich für Kunst?

Interessieren Sie sich für Kunst?
Umfrage zur Kunst in Baugenossenschaften

„Interessieren Sie sich für Kunst? Wenn Ja, welche Kunst interessiert Sie? Gibt es Kunstwerke in Ihrer Wohnbaugenossenschaft? Würden Sie gerne mehr Kunst in Ihrer Wohnbaugenossenschaft haben?“. Mit diesen und anderen Fragen zur Wahrnehmung von Kunst in Baugenossenschaften haben das Kuratorenduo Irene Grillo und Stefan Wagner zusammen mit der Grafikerin Sarah Infanger eine Postkarte gestaltet. Diese wurde in über 10’000 Haushalte verteilt. Mieterinnen und Mieter einiger der über vierzig Genossenschaften, die sich an der Baugenossenschaft mehr als wohnen beteiligen, erhielten in den vergangenen Monaten die Möglichkeit, ihre Meinung zur Kunst, die ihnen täglich begegnet, zu äussern. Eine bewusste Entscheidung, sich an der Umfrage teilzunehmen, bestand aber: Rechts oben auf der Vorderseite der Postkarte stand nämlich „Bitte frankieren.“

Was ist das Ziel dieser Befragung? Laut vielen Vorurteilen wird Kunst-am-Bau im Alltag oft als müssig oder überflüssig wahrgenommen. Das hat verschiedene Gründe. Oft sind die in Häusern und Höfen realisierten Kunstwerke so beschaffen, dass sie der Mieterschaft „suspekt“ erscheinen. Da in vielen Fällen keine richtige Auseinandersetzung mit den Kunstwerken stattfindet, ist es ausserdem schwierig für die Bewohnerschaft einen Zugang zu ihnen zu haben. Was ist aber das Potenzial der Kunst, die in Genossenschaften realisiert wurde oder erst realisiert wird? Die Postkarten-Umfrage will einerseits die oben genannten Vorurteile unter der Lupe nehmen, anderseits Mieterinnen und Mieter für Kunst sensibilisieren und ihren Antworten und Meinungen eine Stimme geben. Gefragt werden nicht die Ansichten von ausgewählten Experten, sondern diejenigen der alltäglichen Betrachterinnen und Betrachter.

Die Resultate der Auswertung sollen als Informationsmaterial für die weiteren Phasen des Projektes dienen, in denen es tatsächlich auch darum geht, Kunstwerke für das neue Wohnquartier auf dem Hunziker-Areal zu konzipieren und konkret zu realisieren. Da bis heute eine solche Befragung noch nie realisiert worden ist, liefert sie ausserdem Datenmaterial, von dem die an der Umfrage beteiligten Genossenschaften und sonstige Interessierte profitieren. Und selbstverständlich ist das Kuratorenduo Grillo/Wagner neugierig, was in den Genossenschaften über Kunst-am-Bau gedacht wird. So bleibt nur noch zu hoffen, dass ein möglichst grosser Rücklauf der Postkarten erfolgt. Weitere Informationen folgen nach der Auswertung Ende Jahr.

Zur Teilnahme an der Befragung wurden alle Mitglieder der baugenossenschaft mehr als wohnen eingeladen. Die Idee dabei ist es, das bereits bestehende Netzwerk von mehr als wohnen nachhaltig zu nutzen, um einen Einblick in den Mietalltag zu erhalten. Folgende Genossenschaften haben sich bis jetzt dafür entschieden: Allgemeine Baugenossenschaft Zürich, ASIG Wohngenossenschaft, Baugenossenschaft des eidgenossischen Personals Zürich, Baugenossenschaft des Kaufmännischen Verbandes Zürich, Baugenossenschaft Glattal, Baugenossenschaft Graphika, Baugenossenschaft Rotach, Baugenossenschaft Schönheim, Baugenossenschaft Turicum, Baugenossenschaft Wiese, Baugenossenschaft Dreieck, Genossenschaft Kalkbreite, Genossenschaft Neubühl, Heimgenossenschaft Schweighof, Stiftung PONTE Projektfonds, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Uster

PLAY-MOBILE

PLAY-MOBILE ist ein offenes Recherche- und Kunstprojekt, das das Prekäre und Vage zum Thema macht, welches der gegenwärtige Umbruch auf dem Hunziker-Areal in Zürich-Leutschenbach mit sich bringt.

Unterschiedliche Aktionsfelder dienen dazu, die anstehende Transformation dieses Areals – von der Brache zum Wohnquartier – aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten: Künstlerische Interventionen auf dem und über das Hunziker-Areal sollen die funktionalen, sozialen, formalen und historischen Eigenschaften des Ortes untersuchen und beobachten. Hierzu wurden Quynh Dong, Felix Eggmann und Raphael Hefti eingeladen. Eine von Philip Matesic initiierte partizipative Reihe soll Bewohnerinnen und Bewohnern der anliegenden Siedlungen (Andreaspark 1 und 2) auf die Veränderungen in ihrer Nachbarschaft aufmerksam machen und sie in diese Metamorphose einbeziehen. 
In einer dritten Phase werden Themen, welche eine künstlerische Recherche zu Tage fördert, in öffentlichen Veranstaltungen aufgenommen und kritisch hinterfragt.

Ziel des Projekts ist es, einen Prozess in Gang zu setzen, der die Umgestaltung des Areals betont und den künstlerischen Positionen darin grösstmöglichen Handlungsspielraum lässt. Parallel zu den von den Architektinnen/Architekten und Fachplanerinnen/Fachplanern erarbeiteten Plänen, die ab Mitte 2012 realisiert werden, soll mit PLAY-MOBILE ein weiterer Entwicklungsprozess begonnen werden, der mögliche Bedürfnisse der Beteiligten formuliert und eine „offene“ Planung erlaubt. Das Projekt wird von Irene Grillo und Stefan Wagner im Auftrag der baugenossenschaft mehr als wohnen kuratiert.

Sitzung der Kunstkommission ‚mehr als Kunst‘ vom 21. September 2011

 

 

Die Sitzung fand statt in der Geschäftsstelle der Baugenossenschaft ‚mehr als wohnen‘ von 9 Uhr bis 11.17 Uhr.

Anwesend waren:

Andreas Hofer, Charlotte Tschumi, Mirjam Varadinis, Monika Sprecher, Philipp Meier, Sabine Frei sowie das Kuratorenteam Irene Grillo und Stefan Wagner mit dem Künstler Philip Matesic und die Schreibende.

Monika Sprecher hatte vorab die Traktanden für die Sitzung sowie ein von Mirjam Varadinis formuliertes Skriptum zur Phase 2 verschickt.

1.    Protokoll Sitzung vom 5.07.11 (vorhanden?)
2.    Besprechung Konzept Phase 2, Grundlage ist das Papier von Mirjam anbei
3.    Termin Workshop mit Architekten
4.    Kommunikation während Phase 2 und 3 (Blog usw.)
5.    Bericht über Aktuelles von Phase 1 (Irene und Stefan) sowie neue Projektidee

 

Die Sitzung begann mit einem Rückblick von Irene Grillo auf die Kunstaktionen, welche vom Kuratorenteam Grillo/Wagner bereits umgesetzt wurden. Der Anlass von Quinh Dong, welche das verregnete Hunziker Areal besang, war trotz des unfreundlichen Wetters gut besucht und ein Erfolg für die Kuratoren.

Irene Grillo erwähnte, dass es demnächst einen Informationskanal auf der Website von ‚mehr als Wohnen‘, auf welchem die beiden Kuratoren über ihre Aktionen berichten, geben würde. Dies führte zu neuerlichen Diskussionen darüber, welche Rolle der Blog ‚mehr als Kunst‘ haben soll und ob es sinnvoll ist, eine weitere Plattform zu pflegen. Bis anhin wurde der Blog der Schreibenden vom Kuratorenteam Grillo/Wagner mehr oder weniger ignoriert und in keinem der Newsletter-Emails der beiden erwähnt. Auf Anfrage der Schreibenden haben die Kuratoren Material und Bilder für den Blog zur Verfügung gestellt, darüberhinaus aber nicht weiter daran partizipiert. Das Kuratorenteam wünscht einen Kanal, der rein informativ über deren Aktionen berichtet, während der Blog der Schreibenden bis anhin eher auf der Meta-Ebene über die Entscheidungen und Prozesse während der Sitzungen berichtete. Die Sitzungsteilnehmer haben darüber sinniert, ob es möglich wäre auf dem Blog einen rein informativen sowie einen bis anhin kommentierten Teil zu führen. Während die Kuratoren dies eher bezweifelten, waren die Mitglieder der Kunstkommission zuversichtlich; die Schreibende gar überzeugt. Demzufolge wird der Blog demnächst in seiner Struktur den neuen Anforderungen angepasst und dafür kein zusätzlicher geführt werden. Der Auftrag an die Schreibende wird aufgestockt und der Blog künftig noch mehr Hintergrundinformationen zu den Kunstaktionen der Kuratoren enthalten.

Ausserdem sprach das Kuratorenteam Grillo/Wagner den Wunsch aus, mit dem Künstler Raphael Hefti ein bleibendes Objekt schaffen zu dürfen. Raphael Hefti ist ein 1978 in Biel geborener Künstler, dessen Arbeiten alchemistische Prozesse und das Spiel mit Materialien und Elementen beeinhalten. Die Kuratoren könnten sich eine Umwandlung eines bestehenden Materials von der heutigen Baubrache in ein Element, welches in den fertigen Bau einfliessen könnte, wie zum Beispiel im Form von Türfallen vorstellen. Falls eine Partizipation am Budget von Phase 3 unmöglich ist, wäre eine Studie, welche eine Dokumentation hervorbringen würde, möglich.

Das Projekt ‚mehr als Kunst‘ umfasst 3 Phasen. Die 1., welche von Grillo/Wagner kuratiert wird, umfasst die Bespielung der Brache, während die 2. die Phase während der Bauzeit und die 3. und letzte Phase nach Fertigstellung und Übergabe der Wohnobjekte stattfindet und eine klassische Umsetzung des Themas „Kunst am Bau“ ermöglicht. Ein bleibendes Objekt in der 1. Phase würde demzufolge die darauffolgenden Phasen nicht nur budgetmässig tangieren. Dieses Thema wird im Architekturworkshop im Novemeber diskutiert und beantwortet werden.

Ausserdem haben Grillo/Wagner die Zusammenarbeit mit dem 1977 in St. Gallen geborenen Künstler Felix Eggmann angekündigt. Dieser hat bereits mehrere Spiele entwickelt, unter anderem das Atomreaktor-Quartett ‚Super Trump Nuclear Plants‚, welches in jüngster Zeit leider grosse Aktualität erlangt hat. Er wird eine Recherchearbeit über die Mechanismen der Vergabe von Genossenschaftswohnungen durchführen und mit den dadurch bekanntgewordenen Gesetzmässigkeiten ein Spiel entwickeln. Geplant ist eine öffentliche Veranstaltung, an welcher über die Vergabe von Genossenschaftswohnungen diskutiert werden kann. Ziel ist es, dass 1 Wohnung des neuen Quartiers ‚mehr als Wohnen‘ mithilfe dieses Spiels vergeben wird. „Kunst am Bau“ würde somit zu „Kunst an den Genossenschafts-Statuten2 werden und die Mechanismen der Wohnungsübergabe thematisiert. (DAS gefällt der Schreibenden ausgesprochen gut!!!)

Am 6. Dezember 2011 werden die Kuratoren Grillo/Wagner zusammen mit Philip Matesic anlässlich eines Theory Tuesdays im Corner College über ihr Projekt „PLAY-MOBILE“ öffentlich debattieren.

 

 

Danach kam Philip Matesic zu Wort, welcher über sein Projekt „VERGISS DEINEN SCHIRM NICHT!“ berichtete. Er hatte Anfang August mit den Bewohnern des an die Baubrache angrenzenden Andreaspark 1 einen Workshop durchgeführt.  Die Nachbarn wurden aufgefordert, Ratschläge an die neuen Nachbarn mit Kreide auf den Aspahlt des Innenhofs zu schreiben. Danach hat Dan Krüsi von den Balkonen einiger Workshop-Teilnehmer Fotos des bunt beschrifteten Innenhofs gemacht.

Philip hätte gern tiefgreifendere Gespräche mit den Bewohnern des Andreaspark 1 geführt, aber dies war ihm leider nicht gelungen. Auch das Fotografieren von Balkonen forderte ihm einiges an Überzeugungskraft ab. Er wird weiterhin Research betreiben und prüfen, wie man eine nachhaltigere Beziehung pflegen könnte.

 

 

 

 

 

 

 

 

Als letztes wurde darüber diskutiert, wie man einen Kurator für die 2. Phase finden sollte. In der 1. Phase brachten die Kunstexperten der Kunstkommission ‚mehr als Kunst‘ Vorschläge ein und es wurden pro Experte ein Kurator/Künstler eingeladen. Diese 5 konnten sich anlässlich einer öffentlichen Präsentation im Cabaret Voltaire vorstellen und präsentieren und die Kunstkommission hat anschliessend in einer hitzigen Debatte dem Team Grillo/Wagner den Auftrag zur Bespielung der Baubrache mit Budget von CHF 100’000 übergeben.

Für die Vergabe der 2. Phase mit einem Budget von CHF 400’000 hat Mirjam Varadinis ein Grundlagenpapier ausgearbeitet, welches als Basis für die anschliessende Diskussion diente.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Schreibende hat die Meinungen der Kommissionsmitglieder zusammengefasst und wird diese in gekürzten Statements wiedergeben.

 

Philipp Meier:

Findet es sehr „spannend“, dass Laien die Auswahl machen sollen, obwohl er schon wisse, dass Architekten auch gerne ein bisschen Künstler seien. Er ist dafür, dass die Kunstkommission wie in der 1. Phase Vorschläge einbringen oder zumindest für die Architekturteams als Paten fungieren sollte. Er befürchtet, dass es in einem Frust enden wird, wenn man die Architekturteams beauftragt, nach Künstlern zu suchen, welche den Ansprüchen der Kommission dann eventuell nicht genügen. Er betont die Qualitätssicherung, welche bereits in einem frühen Stadium stattfinden müsse.

 

Andreas Hofer:

Sieht in Philipp Meier einen grossen Zensurierer und würde die Gefahr einer möglichen Frustration zu Gunsten der freien Arbeit der Architekturteams in Kauf nehmen. Er will einen Workshop, an welchem die Architekten Vorschläge machen können und dass die Mitglieder der Kunstkommission mit Rat und Tat zur Seite stehen.

 

Sabine Frei:

Findet es schön, dass den Architekturteams soviel Freiheit und auch Vertrauen geschenkt wird, findet den Auftrag allerdings zuwenig klar formuliert und sehr ambitioniert. Darum würde sie eine Unterstützung der Kunstkommission, zb. in Form einer Patenschaft sehr begrüssen.

 

Mirjam Varadinis:

Kann die Zweifel von Sabine Frei und Philipp Meier nicht nachvollziehen. Sie findet, man solle den Architekturteams freie Hand geben und sich überraschen lassen, was an Vorschlägen eingebracht wird. Für sie wäre es schade, wenn man von Anfang an „Sicherheiten“ einbaut, anstatt abzuwarten, was von den Architekturteams kommt.

 

Charlotte Tschumi:

Spricht sich für eine Hilfestellung der Kunstkommission aus, ist aber dafür, dass die Architekturteams eigene Ideen und Vorschläge einbringen sollen. Sie ist sich ob dem Aufwand der Recherche im Klaren und verlangt darum nach einem klaren Auftrag, an welchem sich die Architekten orientieren können. Sie fordert: MUT ZU NEUEN WEGEN!

 

Die Schreibende kümmert sich derweil um den Kaffee und freut sich auf den Workshop!